Herman Hollerith
Der Ingenieur, der Statistik zu Maschinenarbeit machte — und nebenbei ein Geschäftsmodell erfand, das ihn um ein Jahrhundert überlebte.
Aufgewachsen in Buffalo, 1879 Abschluss an der Columbia School of Mines, direkt danach eine Stelle beim Census Office in Washington. Dort arbeitete John Shaw Billings, der nach Holleriths eigener Darstellung vorschlug, das Zählen zu mechanisieren. Die Beobachtung, die die Lösung brachte, kam später, im Zug: Schaffner lochten Fahrkarten mit Löchern, die den Fahrgast beschrieben — Größe, Haarfarbe, Geschlecht — eine Art Lochfotografie. Personendaten als Lochmuster auf Karton hatte die Eisenbahn also längst erfunden.
Die Patente wurden 1884 angemeldet und 1889 erteilt, im selben Jahr, in dem das Census Office einen Methodenwettbewerb ausschrieb. Hollerith gewann. Die Volkszählung von 1890 war trotz deutlich gewachsener Bevölkerung in einem Bruchteil der Zeit erledigt, die 1880 gebraucht hatte. 1896 gründete er die Tabulating Machine Company, die 1911 in der CTR aufging und 1924 in IBM umbenannt wurde. Der eigentliche Kniff steckte im Vertrag: Die Maschinen wurden vermietet, die Karten verkauft. Miete plus Verbrauchsmaterial — dasselbe Modell, von dem Drucker und Tintenpatronen bis heute leben.