Lochkartenmaschinerie
Der Maschinenpark, der Lochkarten sortierte, zählte und ausdruckte, ohne dass ein Computer je im Spiel war – sechzig Jahre Datenverarbeitung, bevor es die Datenbank gab.
Eine Lochkarte war ein „unit record": ein vollständiger, in sich geschlossener Datensatz, ohne Dateisystem oder Index drumherum. Der Stapel war die Datenbank. Drumherum stand eine Reihe von Maschinen, von denen jede einen Arbeitsschritt erledigte – Kartenlocher, Prüfer, Sortierer, Kollator, Kopierer, Interpreter und Tabelliergerät –, und der Bediener trug den Stapel zwischen ihnen in der vom Auftrag verlangten Reihenfolge herum. Ein Lohnlauf war damit im wörtlichen Sinn ein Spaziergang.
Programmiert wurde am Schaltbrett: einer Tafel mit Hunderten Buchsen, die von Hand mit Kabeln verdrahtet wurden, um Lesebürsten mit Zählwerken und Druckern zu verbinden. Ein Auftragswechsel bedeutete, das eine Brett herauszuziehen und ein anderes einzusetzen. Sortiert wurde per physischem Radix-Sort, eine Spalte nach der anderen, beginnend bei der niedrigstwertigen, wobei der ganze Stapel pro Spalte einmal durch die Maschine lief.
IBM lebte davon bis weit in die 1960er-Jahre hinein, und es waren die Einnahmen aus dem Lochkartengeschäft, die die Entwicklung des System/360 finanzierten. Die Gewohnheiten überlebten die Hardware: die achtzig Zeichen breite Zeile, die Folgenummern in den Spalten 73–80 für den, der den Stapel auf dem Boden verstreute, und das Wort Batch für einen Auftrag, der läuft, ohne dass jemand danebensitzt und wartet.