Multiplikatoreinheit (ENIAC)
ENIACs einziger Multiplikator konnte gar nicht multiplizieren — er schlug die Antwort in einer Tabelle aus Widerständen nach und ließ die Akkumulatoren den Rest erledigen.
Einen elektronischen Multiplikator 1945 zu bauen war keine Frage des Algorithmus, sondern der Röhrenzahl. Die Lösung war eine Widerstandsmatrix, die als feste Multiplikationstabelle diente: zwei Dezimalziffern hinein, ihr Produkt als Spannungspegel heraus. Die Einheit nahm eine Ziffer des Multiplikators nach der anderen, holte die Teilprodukte aus der Tabelle und ließ die Akkumulatoren sie mit der richtigen Verschiebung aufsummieren. Der Multiplikator hatte also keinen eigenen Speicher — er requirierte bis zu vier Akkumulatoren, die währenddessen belegt und für alles andere unerreichbar waren.
Eine zehnstellige Multiplikation dauerte vierzehn Additionszeiten, etwa 2,8 Millisekunden, gegenüber 0,2 für eine Addition. Das ist der vierzehnfache Preis, was in der Praxis bedeutete, dass ENIAC-Programmiererinnen Multiplikationen in einer Rechenaufstellung genauso zählten, wie man heute Datenbankaufrufe in einer Schleife zählt. Es gab in der ganzen Maschine nur einen einzigen Multiplikator; zwei Multiplikationen konnten nicht gleichzeitig laufen, wie parallel der Rest von ENIAC auch war.