IT-Lexikon › Hardware › Bell Labs Model V

Bell Labs Model V

Hardware Svenska → Aktualisiert: 2026-09-05

Der größte je gebaute Relaisrechner — absichtlich langsam, denn Bell Labs wollte lieber morgen die richtige Antwort haben als heute eine falsche.

George Stibitz' Gruppe bei den Bell Labs baute zwischen 1939 und 1946 sechs Relaismaschinen, und das Model V bildete den Schlusspunkt: rund 9.000 Telefonrelais, zehn Tonnen schwer, in zwei Exemplaren gebaut. Das erste ging 1946 an das NACA-Labor in Langley, das zweite ein Jahr später an das Ballistic Research Laboratory in Aberdeen. Anders als seine Vorgänger war es universell einsetzbar, rechnete in Gleitkomma und besaß zwei Rechenwerke, die getrennt oder gemeinsam an einem Problem arbeiten konnten.

Was die Bell-Maschinen von den elektronischen Konkurrenten unterschied, war ihr Umgang mit Fehlern. Ziffern wurden im Zwei-aus-fünf-Format codiert, bei dem jedes gültige Zeichen genau zwei Einsen enthält — ein klemmendes Relais erzeugt dadurch eine ungültige statt einer plausiblen falschen Ziffer. Die Maschine erkannte das, wiederholte die Berechnung und sprang notfalls zum nächsten Problem in der Warteschlange. Deshalb konnte sie über Nacht unbeaufsichtigt weiterlaufen — ein Risiko, das sich kein ENIAC-Operator erlaubt hätte. Eine Multiplikation dauerte etwas über eine Sekunde, und das war der Preis dafür.

← Zurück zum Lexikon