HP NewWave
Mehr Info
- Entwickler
- Hewlett-Packard
- Jahr
- 1988
- Typ
- Desktopumgebung auf Windows
Der objektorientierte Desktop von Hewlett-Packard, 1988 über Windows 2 gelegt und vor allem deshalb in Erinnerung, weil Apple ihn verklagte.
NewWave setzte einen eigenen Desktop auf Windows 2.0: eine „Office“-Oberfläche, auf der Dokumente, Ordner, Aktenschubladen und der Papierkorb Objekte statt Dateien waren und ein Doppelklick auf ein Dokument das passende Programm startete, ohne dass der Benutzer wissen musste, welches. Objekte ließen sich ineinander verknüpfen, sodass sich die Tabelle in einem Bericht änderte, wenn sich die Kalkulation änderte – Jahre bevor OLE Windows dasselbe beibrachte. Dazu kam Agent, ein Werkzeug, das die Handlungen des Benutzers aufzeichnete, als Skript in einer eigenen Sprache ausgab und zeitgesteuert ausführen konnte.
Im März 1988 verklagte Apple Microsoft und HP mit der Behauptung, Windows 2.03 und NewWave kopierten die Macintosh-Oberfläche. Das Gericht wies 1992 den Großteil der Klage ab, das Berufungsgericht 1994 den Rest; unterm Strich lassen sich überlappende Fenster und Papierkörbe nicht besitzen. NewWave begleitete Windows 3 noch ein paar Versionen und wurde Mitte der 1990er eingestellt, als Windows 95 selbst das meiste bot, was NewWave aufgesetzt hatte. Die Idee des Dokuments als Objekt kehrte im Workplace Shell von OS/2 und in OpenDoc wieder – mit ziemlich demselben kommerziellen Ergebnis.