Hans Dobbertin
Deutscher Kryptograf, der MD4 brach und als Erster vor MD5 warnte – fast ein Jahrzehnt, bevor andere zuhörten.
Dobbertin arbeitete beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), als er 1996 eine vollständige Kollision in MD4 veröffentlichte. Im selben Jahr fand er Kollisionen in der Kompressionsfunktion von MD5. Das war noch keine Kollision im vollständigen Hash, genügte ihm und anderen Kryptografen aber, um zum Umstieg zu raten.
Ebenfalls 1996 entwarf er gemeinsam mit Antoon Bosselaers und Bart Preneel RIPEMD-160, einen gehärteten Nachfolger des ursprünglichen RIPEMD; er lebt im Adressformat von Bitcoin weiter. MD5 dagegen blieb in Zertifikaten und Signaturen im Einsatz, bis Xiaoyun Wang 2004 echte Kollisionen vorlegte – und in der Praxis weit darüber hinaus. Dobbertin wurde Professor an der Ruhr-Universität Bochum und starb 2006.