Kybernetik
Norbert Wieners Lehre von 1948 über Steuerung und Kommunikation in Maschine und Lebewesen — verschwand als Fachgebiet und überlebte als Präfix.
Wiener hatte im Krieg an der Feuerleitung für Flugabwehr gearbeitet: Wo wird ein ausweichendes Flugzeug sein, wenn die Granate ankommt? Daraus entstand die Beobachtung, dass Geschütz, Pilot und Nervensystem dieselbe Art Problem lösen — Ergebnis messen, mit dem Ziel vergleichen, korrigieren. Das Buch Cybernetics: Or Control and Communication in the Animal and the Machine erschien 1948; der Name stammt vom griechischen kybernetes, Steuermann.
Bei den Macy-Konferenzen 1946 bis 1953 saßen Neurophysiologen, Anthropologen und Mathematiker am selben Tisch — McCulloch, Bateson, Mead, Shannon, von Neumann — und versuchten, Rückkopplung zu einer gemeinsamen Wissenschaft zu machen. Das hielt nicht. Die Ingenieurhälfte wurde Regelungstechnik, die Gehirnhälfte Neurowissenschaft und KI, der Rest Systemtheorie. In der Sowjetunion wurde das Fach erst als bürgerliche Pseudowissenschaft verdammt, dann umarmt. Im Alltag überlebt nur das Wortelement: Cyberspace, Cybersecurity, Cyberpunk — Erben eines Steuermanns, an den sich niemand erinnert.