BGP-Hijacking
Wenn ein autonomes System (absichtlich oder versehentlich) IP-Präfixe ankündigt, die ihm nicht gehören, und dadurch Traffic an sich zieht, der eigentlich für jemand anderen bestimmt war. Da BGP keine eingebaute Verifikation kennt, kann eine falsche Ankündigung große Teile des Internets umleiten.
Mechanik: BGP wählt den "besten" Pfad, und eine spezifischere Ankündigung (längeres Präfix) gewinnt immer — ein AS, das einen spezifischeren Teil deines Präfixes ankündigt, zieht damit deinen Traffic an sich. Folgen: Abhören (der Traffic läuft über den Angreifer — Man-in-the-Middle), Blackholing (der Traffic verschwindet — ein DoS) oder Impersonation (gefälschte Inhalte ausliefern). Berüchtigte Fälle: Pakistan, das 2008 versehentlich YouTube weltweit lahmlegte, sowie Krypto-Diebstähle durch BGP-Hijacking des Traffics von Zertifizierungsstellen. Oft ein Fehler (Fat-Finger, Fehlkonfiguration), aber auch eine Waffe. Verteidigung: RPKI/ROV (Ursprung verifizieren und ungültige Ankündigungen ablehnen), Präfix-Filterung gegenüber Nachbarn, IRR-Datenbanken und Monitoring (BGPmon-artige Alarme bei unerwarteten Ankündigungen). Eine der grundlegendsten Infrastrukturbedrohungen des Internets.