Technoviking
Die Aufnahmen von einem Berliner Straßenfest im Jahr 2000, auf denen ein muskulöser Mann in Stoffbändern eine tanzende Menge in Besitz nimmt. Sechs Jahre später wurde daraus ein Meme, dreizehn Jahre später ein Gerichtsverfahren, das das Meme verlor.
Matthias Fritsch drehte das Material auf der Fuckparade und lud es 2006 hoch, woraufhin es sich im Tempo des frühen YouTube verbreitete: Remixe, Klingeltöne, T-Shirts – die ganze kleine Industrie rund um eine wiedererkennbare Figur. Der Mann im Video war nie gefragt worden und wollte damit nichts zu tun haben. Er verklagte den Urheber unter Berufung auf das deutsche Persönlichkeitsrecht, das dem Recht am eigenen Bild deutlich mehr Gewicht gibt als viele andere Rechtsordnungen, und das Berliner Gericht gab ihm 2013 im Wesentlichen recht: Fritsch musste Schadensersatz und Verfahrenskosten zahlen und durfte Material, auf dem der Mann erkennbar ist, nicht mehr verbreiten. Der Fall ist die Standardreferenz, sobald die Frage nach unfreiwillig bekannten Gesichtern im Netz ernst genommen wird, und Fritsch hat seither künstlerisch genau darüber gearbeitet.