McCulloch-Pitts-Neuron
Die mathematische Nervenzelle von 1943: binäre Eingänge, eine Schwelle, und der Beweis, dass ein Netz aus ihnen jede logische Aussage berechnen kann.
Warren McCulloch war Neurophysiologe, Walter Pitts ein autodidaktischer Logiker Anfang zwanzig, den McCulloch bei sich aufgenommen hatte. Ihr Aufsatz A Logical Calculus of the Ideas Immanent in Nervous Activity von 1943 vereinfachte die Nervenzelle drastisch: Sie feuert oder feuert nicht, ist also eine boolesche Variable. Die Eingänge summieren, mit einer Schwelle vergleichen, feuern, wenn die Schwelle erreicht ist. Hemmende Eingänge haben ein absolutes Vetorecht. Keine Gewichte, kein Lernen, keine Zeit jenseits diskreter Schritte.
Der Witz lag im Beweis. Aus solchen Elementen lassen sich Und, Oder und Nicht bauen — und damit jede Aussage der Aussagenlogik. Verbindet man das Netz zusätzlich mit einem äußeren Band, wird es äquivalent zu einer Turingmaschine. Das Gehirn wurde damit als logische Maschine beschrieben, was 1943 eine gewagte Behauptung war und es bis heute geblieben ist.
Von Neumann las den Aufsatz und zitierte ihn — er ist der einzige Verweis in First Draft of a Report on the EDVAC, und seine „Organe" in jener Maschinenbeschreibung sind McCullochs und Pitts' Elemente in Verkleidung. Gewichte und Lernen kamen später, mit Hebb 1949 und Rosenblatts Perzeptron 1958. Pitts verbrannte seine unveröffentlichte Arbeit nach einem Bruch mit Norbert Wiener und trank sich 1969 im Alter von sechsundvierzig Jahren zu Tode.