Fresco
Der Versuch des X Consortium aus den 1990ern, Xt und Motif durch ein objektorientiertes Toolkit auf CORBA-Basis zu ersetzen – mit X11R6 ausgeliefert und danach sang- und klanglos eingegangen.
Nach InterViews wechselte Mark Linton zu Silicon Graphics, und das X Consortium machte sein nächstes Toolkit gemeinsam mit SGI und Fujitsu zu einem eigenen Projekt. Fresco übernahm Glyphen und Layoutmodell von InterViews, beschrieb aber jede Oberfläche in CORBA IDL, sodass die Teile eines Fensters in verschiedenen Prozessen oder auf verschiedenen Rechnern liegen und trotzdem einen einzigen Baum bilden konnten. Gedacht war es als Schritt über X hinaus: kein neues Protokoll für Pixel, sondern eines für Objekte. Eine Beispielimplementierung wurde 1994 mit X11R6 ausgeliefert.
Der Rest blieb aus. Das Consortium löste sich 1996 auf und übergab X an The Open Group, CORBA erwies sich als zu schwergewichtig für eine Oberfläche, die bei jeder Mausbewegung neu zeichnet, und Motif, GTK und Qt lösten das praktische Problem ohne verteilte Objekte. Den Namen übernahm 2002 das Berlin-Projekt, ein freies Anzeigesystem in C++, das wenige Jahre später selbst zum Stillstand kam. Fresco bleibt das ehrgeizigste Toolkit, das nie eine richtige Anwendung bekam.